
Sattelschrank selber bauen
Wer ein Pferd besitzt, sammelt schnell eine große Menge an Reitbedarf und Zubehör an, für das im Stall ein geeigneter Aufbewahrungsort benötigt wird. Besonders Sättel, Zaumzeug, Halfter, Stricke und zahlreiche Pflegeprodukte nehmen viel Platz ein. Ein geräumiger Sattelschrank aus verzinktem Blech kostet oft 500 bis 1.000 Euro oder sogar mehr. Selbst einfache Schränke aus Holz (meist aus OSB-Platten) liegen bei mindestens 400 bis 500 Euro. Da ist es verständlich, dass das Maker-Ego sagt: Das kann ich selbst machen 🙂
Materialliste und Kosten
Im Folgenden findet sich eine Übersicht der Materialien und Bauteile, die ich für den Bau unseres Schranks verwendet habe:
- 11x OSB Verlegeplatten 18 mm 205 x 62,5 125 EUR
- 0,75 L Alpina Holzisolier-Grund* 19 EUR
- 2,50 L Alpina Wetterschutzfarbe silbergrau* 42 EUR
- 2x Türband 45 x 95 mm links verzinkt 6 EUR
- 2x Türband 45 x 95 mm rechts verzinkt 6 EUR
- 4 Paar Vollauszüge 550 mm* 34 EUR
- 4x 100mm Schwerlastrollen mit Bremse* 36 EUR
- 4x Belüftungsgitter Aluminium* 11 EUR
- 1x Torriegel* 9 EUR
- 1x Burg Wächter Panzer-Riegel* 15 EUR
- 2x LED Schrankbeleuchtung* 24 EUR
In der Summe ergeben sich so Materialkosten von rund 330 EUR. Hinzu kommen noch diverse Schrauben, wobei ich überwiegend Spax 4,5 x 70 mm aus Edelstahl* verwendet habe. Außerdem habe ich zahlreiche Restmaterialien aus meinem eigenen Bestand verbaut, darunter 15-mm-OSB-Platten für die Schubladen sowie Kanthölzer und Multiplexreste für die Sattelhalter. Trensenhalter sowie verschiedene Griffe und Haken stammen zudem aus dem 3D-Drucker.
Bau – Korpus
Die Außenmaße des Korpus betragen 120 × 200 × 60 cm (B × H × T). Die Türen verfügen innen über eine Tiefe von 10 cm und haben ein Außenmaß von jeweils 60 × 200 × 11,8 cm (B × H × T). Diese Abmessungen sind optimal auf die gängigen Baumarktformate von OSB-Verlegeplatten (205 × 62,5 cm) abgestimmt, sodass von den insgesamt 11 Platten nur sehr wenig Verschnitt anfällt.
Für zusätzliche Stabilität habe ich die Bodenplatte aufgedoppelt, also verleimt und verschraubt. Seiten- und Rückwand wurden anschließend stumpf auf die Bodenplatte montiert, ebenso die obere Abdeckung. Noch vor dem Zusammenbau habe ich in die rechte Seitenwand eine Lochreihe eingebracht (mithilfe eines selbstgedruckten Jigs aus dem 3D Drucker), um ein oder zwei Einlegeböden später flexibel positionieren zu können. Allerdings habe ich bei der hinteren Lochreihe die Stärke der Rückwand nicht berücksichtigt – das wurde später beim Einlassen der Nuten am Einlegeboden pragmatisch korrigiert.
Die Unterteilungen innerhalb des Korpus sowie in den Türen sorgen nicht nur für mehr Ordnung, sondern tragen auch wesentlich zur Grundstabilität des Schranks bei.
Belüftungsgitter* in den Türen und an der Rückwand gewährleisten eine ausreichende Luftzirkulation, sodass feuchte Sättel oder Gamaschen gut trocknen können und sich kein Schimmel bildet.
Die Türen sind jeweils mit zwei Türbänder von Hettich befestigt (links und rechts entsprechend zu beachten). Diese sind bis zu 25 kg belastbar und lassen sich problemlos aushängen, was den Transport des fertigen Schranks deutlich erleichtert.
Bau – Innenausstattung
Die Grundkonstruktion des Schranks ist bewusst schlicht gehalten. Umso spannender fällt dafür die individuell gestaltete Innenausstattung aus. Neben den beiden großzügigen Schubladen stellen vor allem die zwei ausziehbaren Sattelhalter ein echtes Highlight dar.
Sowohl für die Schubladen als auch für die Sattelhalter kamen bewährte Vollauszüge mit Selbsteinzug von SOTECH* in 550 mm Länge zum Einsatz. Die Schubladen wurden stumpf verschraubt und anschließend mit einer lackierten Frontblende versehen. Die Griffmulde habe ich mithilfe einer Frässchablone aus dem 3D Drucker ausgearbeitet.
Die Sattelhalter selbst entstanden aus alten Latten, die miteinander verschraubt wurden, während die Auszüge an den Außenseiten montiert sind. Wie auf den Fotos zu sehen, ist die Konstruktion bereits in dieser Form sehr stabil und trägt problemlos zwei Sättel – einen Western- und einen Springsattel. Die ausziehbaren Schlitten bestehen aus 18 mm starken Multiplexstreifen, die jeweils in einem Winkel von 30° miteinander verleimt wurden. Der gesamte Aufbau wurde direkt im montierten Zustand ausgemessen, verleimt und verschraubt, um sicherzustellen, dass die Schlitten exakt passen und sauber laufen.
Zum Abschluss standen noch einige Detailarbeiten an – unter anderem, um den Schrank zuverlässig verschließen zu können. An der oberen Kante der Türen habe ich zunächst Stopper montiert, damit sich diese im geschlossenen Zustand nicht einfach aushängen lassen. Die rechte Tür wird durch einen Torriegel gesichert, während die linke zusätzlich mit einem Panzer-Riegel in Verbindung mit einem Vorhängeschloss verschlossen wird. Mit entsprechend roher Gewalt ließe sich der Schrank zwar weiterhin öffnen, als grundlegende Sicherung ist diese Lösung jedoch völlig ausreichend.
Abschließend erhielt der Schrank noch etwas optischen Feinschliff in Form von Dekoration aus dem Lasercutter. Für eine gute Ausleuchtung sorgt zudem eine praktische, batteriebetriebene LED-Beleuchtung mit Bewegungsmelder – ideal für trübe Tage im Stall. Vor Ort wurden schließlich noch richtig schicke Trensenhalter sowie verschiedene Griffe und Haken aus dem 3D-Drucker montiert.
Fazit
Einen Sattelschrank in Eigenregie zu bauen ist weniger aufwendig, als man zunächst vermuten könnte. Mit etwas handwerklichem Geschick und ausreichend Zeit lässt sich auch ohne aufwendige Extras wie Vollauszüge, Lackierung oder Beleuchtung ein großzügiger und funktionaler Schrank für unter 200 Euro realisieren. Wer die typische OSB-Optik nicht mag, kann alternativ auf Multiplexplatten zurückgreifen – muss dafür allerdings mit etwa dem dreifachen Materialpreis rechnen.
Meine Auftraggeberin ist mit dem Ergebnis jedenfalls rundum zufrieden. 🙂











































